Risiko, Ertrag & Kapitalveranlagung
Freitag, 11 März 2016 08:09

Risiko bedeutet Ungewissheit über die künftige Verzinsung von Kapital. Diese Unsicherheit kann greifbar gemacht werden, indem man Wahrscheinlichkeiten für den Eintritt verschiedener künftiger Ertrags- oder Wertszenarien ermittelt.

Ein einfaches Beispiel: Wir haben Informationen zu möglichen Zukunftsszenarien, zu deren Eintrittswahrscheinlichkeit sowie zu der für jedes Szenario erwarteten Rendite über die Laufzeit.

Im Falle eines Booms, sagen wir mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 25%, wird eine Rendite von 44% erwartet. Bei normaler Wirtschaftsentwicklung, mit Eintrittswahrscheinlichkeit 50%, resultiert eine 14% Rendite und in einer Rezession, die man mit 25%iger Wahrscheinlichkeit ansetzt, ergibt sich eine Rendite von minus 16%. Wird die erwartete Kapitalverzinsung über alle Szenarien ermittelt, erhält man 14%.

Zukunftsszenario Eintrittswahrscheinlichkeit Rendite
Boom 25% +44% !
Normal 50% +14%
Rezession 25% -16%
Erwartete Rendite = 0,25 * 44% + 0,50 * 14% + 0,25 * (-16%)= 14%

Quelle: Bodie, Kane, Marcus: Investments

Eine wichtige Grundlage für die Ableitung solcher Informationen sind in der Vergangenheit beobachtete Entwicklungen. Allerdings können aus historischen Daten gewonnene Erkenntnisse nie mit Gewissheit auf die Zukunft umgelegt werden, weil es immer zu strukturellen Änderungen kommen kann (trotz der Wahl geeigneter Vergleichszeiträume).

Risikostreuung und der Portfoliogedanke

Die Redewendung „Lege niemals alle Eier in einen Korb“ beschreibt das Prinzip und den Nutzen von Risikostreuung sehr anschaulich.
Anlagen mit unterschiedlichem Risikoverhalten weisen in Kombination (als Portfolio) ein geringeres Gesamtrisiko auf als der Durchschnitt der Einzelrisiken. Je geringer die Korrelation, also der Gleichlauf, zwischen den Anlagen desto besser in dieser Hinsicht. Durch Kombination mehrerer geeigneter Instrumente lässt sich das Portfoliorisiko deutlich senken.

Die Sterne in nachfolgender Grafik stellen einzelne Anlageinstrumente in Bezug auf ihre Risiko-Ertragseigenschaften dar. Diese Instrumente können auf unterschiedliche Weise in Portfolios kombiniert werden. Mögliche Portfolio-Kombinationen werden durch die graue Fläche symbolisiert.


Da für einen bestimmten erwarteten Ertrag grundsätzlich das geringste Risiko angestrebt wird – bzw. für ein bestimmtes Risiko der höchst mögliche Ertrag – stellt die blaue Linie die präferierten Portfoliokombinationen dar (nach Markowitz die sogenannten effizienten Portfolios).

Kapital sucht Portfolio

Zu einem Portfolio – im Sinne einer Anlagenstreuung – kann man über mehrere Wege gelangen:

  • Entweder sucht der Anleger für sein Kapital selbst unterschiedliche Veranlagungsmöglichkeiten. Er erwirbt und verwaltet diese in Eigenregie und berücksichtigt dabei seine individuellen Bedürfnisse in Hinblick auf Risiko und Ertragschancen.

  • Alternativ kann er den ganzen Prozess an entsprechende Anbieter delegieren.

  • Ein quasi fertiges Paket – im Sinne einer bereits gestreuten Veranlagung – kann der Anleger etwa durch den Kauf von klassischen Fonds oder börsengehandelten Indexfonds erwerben.

Börsengehandelte Indexfonds, auch Exchange Traded Funds (ETFs) genannt, bilden die Werteentwicklung eines Börsenindex ab. Das Angebot an ETFs ist aufgrund ihrer wachsenden Beliebtheit inzwischen sehr groß. Wie bei allen Investitionen ist auch hier auf eine sorgfältige Auswahl zu achten. ETFs gelangen inzwischen sogar als kostengünstige Veranlagung für Lebensversicherungen und Sparbriefe zum Einsatz.

Conclusio

Generell gilt, aus unterschiedlichen Veranlagungskategorien, Märkten und Instrumenten jene zu identifizieren, die für den eigenen Investitionszweck, die persönliche Risikoneigung und den Planungshorizont am besten geeignet sind – und im Rahmen dessen einen möglichst hohen Ertrag und geringe Kosten aufweisen.

Quellen und weiterführende Informationen: 

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/versicherung/altersvorsorge-lebensversicherungen-koennen-sie-leichter-haben/12921942.html

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/altersvorsorge-mit-etf-mit-lust-und-mut-zur-zusatzrente/11780282.html

Z. Bodie, A. Kane, A. J. Marcus: Investments (McGraw-Hill/IRWIN Series in Finance, Insurance, and Real Estate)

R. Brealey, S. C. Myers, F. Allen: Principles of Corporate Finance (McGraw-Hill)

Letzte Änderung am Freitag, 25 März 2016 13:24