KMU, Kapital & Innovationen
Mittwoch, 07 Oktober 2015 09:52

Zündende Ideen, innovative Projekte und Start up-Unternehmen: Sie alle benötigen in der Regel fremdes Kapital, um ihre Produkte und Dienstleistungen realisieren und auf den Markt bringen zu können. Doch woher nehmen, wenn dem Bankensektor das Risiko zu groß ist und es an komplementären Finanzierungsquellen mangelt?
Wie kann man vermeiden, dass unter diesen Umständen die Innovationskraft der Unternehmer zu Staub zerfällt? Antworten auf diese Fragen werden dringend benötigt, wenn Gesellschaft und Politik den Wohlstand auf hohem Niveau halten wollen.

 Kapital wird benötigt für

  • Geschäftstätigkeiten mit geringerem Risiko, etwa laufende Investitionen
  • die Finanzierung von weniger riskanten Neuerungen, zum Beispiel gewisse Modifikationen von Produkten, Prozessen und Märkten sowie
  • sehr risikoreiche Innovationen, für ganz neue Produkte und Technologien

Als Finanzierungsformen stehen Fremdkapital und Eigenkapital sowie Mezzaninkapital als Mischform zwischen beiden zur Verfügung. Dabei gilt: Je innovativer das Projekt, desto mehr Risiko muss das Kapital tragen, also umso mehr in Richtung Eigenkapital gehen. Banken steuern primär den unteren Risikobereich an, außer sie treten als institutionelle Investoren auf.

Innovationen, Wachstum & Risiko

Innovation bedeutet, veraltete Strukturen überwinden. Das ist in einer Volkswirtschaft und für deren Wachstum von immenser Bedeutung. Die Verbreitung fundamentaler technologischer Umwälzungen wird oftmalig von Start up-Unternehmen angetrieben. Fundamentale Innovationen setzen eine große Experimentierbereitschaft voraus - und erfordern, dass alle Beteiligten auch ein Scheitern des Vorhabens in Kauf nehmen: Entwickler wie Financiers.

Risikokapital/Wagnisfinanzierung

Risikokapital ist Eigenkapital oder von der Risikostruktur Ähnliches, wie entsprechende Mezzaninfinanzierungsarten. Investoren, die Risikokapitall zur Verfügung stellen, müssen im Stande sein, Risiko und Verluste zu tragen. Außerdem sollten sie das Risiko, das sie eingehen, auch auf die eine oder andere Weise bewerten können.
Damit grundlegende Innovationen in die Umsetzung gelangen, sind Risikokapital-Fonds und Business Angels von großer Bedeutung. Diese professionellen Risikokapitalgeber stellen neben Kapital und Fachwissen in der Regel auch Managementexpertise für die Unternehmen bereit, bei denen sie sich engagieren. Trotz der Wichtigkeit dieses spezialisierten Finanzmarktsegments ist in gewissen Ländern – wie etwa in Österreich – seine Ausprägung nach wie vor stark ausbaubedürftig.

Crowdfunding als Form der direkten Kapitalaufbringung

Häufig entscheiden sich Anleger für diese Form der Kapitalbereitstellung, wenn sie ein persönliches Interesse an einem Projekt haben oder einen gesellschaftlichen Nutzen darin sehen. Der mögliche Verlust des Kapitals wird in Kauf genommen – sofern es sich um Risikokapital handelt und der Anleger sich darüber im Klaren ist. Zur breiteren Investitionsalternative wird Crowdfunding dann, wenn eine professionelle Auswahl, Aufbereitung und Bewertung der Projekte bereitsteht, und es ausreichend Möglichkeiten zur Risikostreuung gibt.

Die Börse

Wenn Risikokapital-Fonds oder Business Angels in junge Unternehmen investieren, geschieht dies meist für einen begrenzten Zeitraum. Danach wollen die Investoren wieder aus dem Unternehmen aussteigen und im Erfolgsfall ihre Beteiligung verwerten. Das kann über den direkten Verkauf an große Investoren oder durch die Platzierung über eine Börse erfolgen. Eine attraktive Börse ist natürlich für etablierte Unternehmen genauso wichtig, wie für die Anleger.

Conclusio

Eine Volkswirtschaft braucht ergänzend zur Bankenfinanzierung ausreichend professionelles Risikokapital und in Zukunft verstärkt auch alternative Finanzierungsformen wie zum Beispiel Crowdfunding. Für die Kapitalmarktseite ist eine attraktive Börsensituation nötig.
Ansonsten werden Unternehmen in ihrem Wachstum beschränkt und Innovationen erschwert. Häufig wandern Innovatoren auch in Länder ab, in denen sie bessere Realisierungsmöglichkeiten vorfinden. Braindrain heißt das dann wohl – oder besser gesagt: Growth-Drain.

 

weiterführende Informationen:

http://www.lbms.at/wp-content/uploads/2015/06/KMU-und-Startups-brauchen-Kapital-aber-welches-.pdf

Letzte Änderung am Donnerstag, 31 August 2017 09:07